Das Wichtigste in Kürze
- Patrick Kneisch, Entwickler und Gründer des X-Positioner, hat über 12.000 Stunden in eine KI-gestützte Plattform für Personaldienstleister investiert.
- Der X-Positioner deckt Recruiting, Dispo, Matching, KI-Profile, WhatsApp-Bewerbung und Automatisierung ab und dockt an bestehende ERP- und ATS-Systeme an.
- Kandidaten werden per Foto vom Lebenslauf angelegt, Kunden per Drag-and-Drop aus Impressum, Visitenkarte oder Google-Suche – ohne manuelles Abtippen.
- Das Matching läuft mit vektorisierten Daten: 100.000 Kandidaten gegen 100.000 Kunden in rund 100 Millisekunden, EU-AI-Act-konform auf deutschen Servern.
- Fünf, sechs Tools auf drei Bildschirmen bringen keinen Umsatz – entscheidend ist, dass die Systeme sauber ineinandergreifen.
Mal ehrlich: Wer von uns kennt das nicht? Du hast ein ATS, ein ERP, ein Multiposting-Tool, irgendwas für Social Media und am Ende sitzen die Disponenten trotzdem da und tippen Vornamen und Nachnamen händisch ab. In Folge 881 habe ich Patrick Kneisch bei mir im Podcast. Patrick ist Entwickler und Gründer des X-Positioner, einer operativen Plattform für Personaldienstleister. In über 20 Jahren Branche habe ich wenige Tools gesehen, die so viel Automatisierung in die Dispo bringen – und genau darüber reden wir heute.
Warum fünf Tools nicht automatisch mehr Umsatz bringen
Patrick war selbst Prokurist in einem Zeitarbeitsunternehmen mit vier Niederlassungen und 150 Externen. Er hat 2021 in die Branche gewechselt, mit dem Ziel, eine Zeitarbeit zu übernehmen – und hat sich dort gewundert, warum der Umsatz nicht steigt, obwohl immer mehr Tools dazukommen. „Wir hatten fünf, sechs Tools auf drei Bildschirmen”, sagt er, „und eigentlich ist der Umsatz nicht gestiegen.”
Kennst Du das? Du kaufst ein ATS, dann einen Datenlieferanten, dann Social-Media-Automatisierung – und zwischen den Systemen sitzt immer ein Mensch, der Daten überträgt. Jede Schnittstelle, die „eigentlich funktionieren sollte”, funktioniert in der Praxis dann doch nicht. Patricks Schluss: Erstmal alles miteinander verbinden. Und als auch das nicht gereicht hat, hat er angefangen, selbst zu bauen. Heute programmiert er seit über fünf Jahren an dem System, nach eigener Aussage mit 12.000 bis 13.500 Stunden Arbeitszeit. Kein Wochenende, jede Nacht bis mindestens 1 Uhr. Macht man nicht, wenn man nur nebenbei schraubt.
Wie der X-Positioner Kandidaten in Sekunden anlegt
Jetzt kommt der Punkt, der für die Dispo spannend ist. Patrick beschreibt den Alltag so: Ein Kandidat kommt rein, hat seinen Lebenslauf dabei – im Extremfall „auf einer Serviette”. Du öffnest die App auf dem Handy, einmal Login, einmal Dispo-Board, einmal Plus, Kamera auf, Foto. Die KI liest den Lebenslauf aus und legt den Kandidaten direkt an. Spricht der Bewerber nur Russisch? Mikrofon aktivieren, der Kandidat erzählt frei, es wird transkribiert und in einen deutschen Lebenslauf übersetzt.
Dasselbe Prinzip gilt für Kunden: Impressum auf die Spalte ziehen, Visitenkarte fotografieren, WhatsApp-Sprachnachricht einwerfen oder einfach einen Google-Suchbegriff eingeben – fertig ist der Datensatz. Hat der Kunde eine Karriereseite, crawlt das System automatisch die offenen Stellen. Ich sag ganz ehrlich: Genau das ist der Teil, den klassische ERP-Systeme in der Zeitarbeit seit Jahren nicht liefern. Nicht, weil die Anbieter schlecht wären – sondern weil der Fokus historisch auf Abrechnung lag, nicht auf kurzen Klickwegen.
Matching, das wirklich matched – und EU-AI-Act-konform
Das Herzstück ist das Matching. Patrick arbeitet mit vektorisierten Daten und Cosinus-Berechnung. Klingt sperrig, heißt im Klartext: Das System vergleicht 100.000 Kandidaten mit 100.000 Kunden in rund 100 Millisekunden – zu minimalen Kosten. Du ziehst den Kandidaten auf den Kunden, und das System generiert automatisch ein Profil, das sprachlich auf die aktuelle Stellenanzeige des Kunden abgestimmt ist.
Wichtig – und das ist nicht nebensächlich: Alles läuft auf deutschen Servern, die KI wird entweder selbst gehostet oder bei europäischen Anbietern betrieben. Personenbezogene Daten werden vor dem KI-Aufruf anonymisiert. „Alles bei mir läuft auf deutschen Servern”, so Patrick. Für Dich als Inhaber oder Geschäftsführer heißt das: EU-AI-Act-Konformität ist nicht nachträglich draufgeschraubt, sondern Teil der Architektur. In Zeiten, in denen DSGVO und AI Act die Branche durchgängig beschäftigen, ist das ein Punkt, den Du bei der Toolauswahl zuerst prüfen solltest.
Dreifach-Pipeline: ein Dispoboard, das jeder sofort versteht
Patrick nennt sein Konzept „Dreifach-Pipeline”: eine Spur für Human Resources, eine für Kunden, eine für Anfragen. Sein Anspruch: Wenn abends jemand bei Dir klingelt, der eigentlich Fenster putzt, aber vertrieblich affin ist, soll er am nächsten Morgen vor dem Board sitzen und loslegen können. Die einzige Regel: Menschen in Berufe vermitteln, die zu ihnen passen. Kandidat per Maus auf den Kunden ziehen – fertig.
Stellenanzeigen werden direkt generiert, auf Deiner Homepage als native Stellenbörse veröffentlicht und bei Google Jobs angemeldet. Für die Bundesagentur gibt es eine Schwarmintelligenz, die das BA-Formular inklusive DKZ-Codes automatisch vorausfüllt – wer schon einmal einen Helferberuf in das BA-System geprügelt hat, weiß, wie viel Reibung das rausnimmt. Multiposting über einen Partner gibt es laut Patrick ab 99 Euro für bis zu 500 Stellen auf 100 bis 150 Portale.
Was der X-Positioner heute noch nicht komplett abdeckt
Machen wir uns nichts vor: Kein Tool kann alles perfekt. Patrick ist da sehr ehrlich. Lohnabrechnung, Faktura und Zeiterfassung sind aktuell nur teilweise enthalten. Für die Personalvermittlung ist der X-Positioner eine End-to-End-Lösung bis zur Rechnungsstellung, für die Zeitarbeit bis zur vorbereitenden Lohnabrechnung. Stundenzettel kannst Du mit dem Handy fotografieren und bekommst eine CSV-Datei, die Du in Dein bestehendes ERP spielst.
Patrick sagt selbst, dass spezialisierte ATS-Systeme wie Coveto oder Talent 360 in ihrer Nische stärker sind. Der X-Positioner will nicht jedes Fachtool ersetzen, sondern die Lücken schließen und alles sauber verbinden. Das Angebot ist aktuell eine Beta, monatlich kündbar, mit Grundfunktionen kostenlos. Setup und Customizing übernimmt Patrick persönlich – Du musst Dich nicht um Schnittstellen oder Vorlagen kümmern.
Häufige Fragen zu KI in der Dispo und zum X-Positioner
Was ist der X-Positioner konkret?
Der X-Positioner ist eine operative Plattform für Personaldienstleister, die Recruiting, Dispo, Matching, KI-Profile, WhatsApp-Bewerbung und Automatisierung in einem System bündelt. Er dockt an gängige ERP- und ATS-Systeme an und ersetzt in weiten Teilen das manuelle Abtippen. Entwickler ist Patrick Kneisch, der seit über fünf Jahren an dem Tool arbeitet.
Ist der Einsatz EU-AI-Act- und DSGVO-konform?
Ja. Patrick Kneisch betont, dass sämtliche Komponenten auf deutschen Servern laufen und die KI entweder selbst gehostet oder bei europäischen Anbietern betrieben wird. Personenbezogene Daten werden vor dem KI-Aufruf anonymisiert, sodass sensible Informationen das europäische Datenschutzniveau nicht verlassen. Das ist für Personaldienstleister in Deutschland Pflicht, nicht Kür.
Muss ich mein bestehendes ERP oder ATS ablösen?
Nein. Der X-Positioner hat eine Universalschnittstelle und kann an alle gängigen ERP- und ATS-Systeme angebunden werden. Du kannst Dein bestehendes Setup weiterbetreiben und den X-Positioner als Automatisierungslayer darüberlegen. Wer kein ATS hat, kann die Grundfunktionen direkt im X-Positioner nutzen.
Was kostet der X-Positioner?
Das Angebot ist aktuell eine Beta und monatlich kündbar. Die Grundfunktionen sind kostenlos nutzbar, Zusatzfunktionen kosten laut Patrick „nicht die Welt”. Multiposting läuft über einen Partner ab 99 Euro für bis zu 500 live geschaltete Stellen auf 100 bis 150 Portale. Setup und Customizing übernimmt Patrick persönlich.
Für wen lohnt sich der Einsatz besonders?
Für Personaldienstleister, die bereits mehrere Tools nebeneinander betreiben und merken, dass die Medienbrüche Zeit und Umsatz kosten. Besonders interessant für Startups, die sauber aufsetzen wollen, und für etablierte Firmen, die ihre Dispo auf KI-gestütztes Matching und automatische Profilerstellung umstellen möchten.
Fazit
Mehr Tools bringen nicht automatisch mehr Umsatz – im Gegenteil. Wer in der Dispo wirklich schneller werden will, braucht ein System, das Kandidaten und Kunden ohne Abtippen anlegt, sauber matched und EU-AI-Act-konform arbeitet. Der X-Positioner von Patrick Kneisch zeigt, was heute technisch möglich ist, und zwar nicht als Vaporware, sondern als funktionierende Plattform mit über 12.000 Entwicklungsstunden. Guck Dir das an, bevor Du Dein nächstes Monatsabo für das siebte Tool unterschreibst. Und keine Sorge: Teil zwei dieses Gesprächs mit allen Themen, die wir nicht mehr geschafft haben – KI-Agenten, WhatsApp-Chatbot, Website-Integration – kommt in einer der nächsten Folgen.
Die ganze Folge hören
Die komplette Episode 881 „KI in der Dispo: Schluss mit Abtippen” mit Patrick Kneisch findest Du als Videoversion auf YouTube sowie in allen gängigen Podcast-Apps – Apple Podcasts, Spotify, Amazon Music und Deezer. Teil zwei des Gesprächs folgt zeitnah. Teilen und abonnieren nicht vergessen.
